Woran glaubst du?

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Gott im Du erfahren
Ich glaube an Gott als dem "Du", das/den ich im Gebet anspreche. Damit ist Gott das Gegenüber, zu dem ich in Beziehung stehe. Da sich das Sprechen mit Gott immer auch in mir selbst abspielt, ist Gott zugleich eine innere Stimme und das Gefühl des Grundvertrauens. Gleichzeitig begegnet Gott mir in jedem anderen Menschen, ja zugleich in der ganzen lebendigen Natur, die ich darum die Schöpfung nenne. Der Schöpfer ist aber keine außerhalb der Natur wirkende Person, sondern die in ihrer wirkende schöpferische Kraft und ihr Gestaltungswille. In der Vorstellung des personalen Gegenübers, des Du Gottes kommen beide Seiten Gottes. Jesus Christus ist das Bild des lebendigen Gottes, ist gleichzeitig Mensch und Gott. Damit wird Gott menschlich denkbar. Der Geist Gottes ist der Geist des Du. Von Gott ist daher nicht spekulativ zu reden oder zu denken, sondern in Worten und Bildern der Du-Erfahrung.

Gott ist das Du selbst
Trotzdem finde ich es interessant von Gott als dem Sein-selbst zu denken, indem man ihn von den Erscheinungen des Seienden unterscheidet. Gott ist also das Du selbst.
"Wo ich gehe - du!
Wo ich stehe - du!
Nur du, wieder du, immer du!
Du, du, du!
Wenn's mir weh tut - du!
Er geht's mir gut - du!
Du, du, du!
Himmel du! Erde du!
Oben - du, unten - du!
Wohin ich mich wenden, an jedem Ende
Nur du, wieder du, immer du!
Du, du, du!"
Levi Jizchak von Berditschew
(in: Martin Buber, Erzählungen der Chassidim, Zürich 1949 Seite 342.)

Glaube ist nicht das Aufzählen von Glaubenswissen
Die Aufzählung des Glaubenswissens, der christlichen Fakten führt nicht zu dem Gefühl, sich dem Du unbedingt anzuvertrauen. Diese Fakten führen heute zu einem Konflikt zwischen Vernunft und Religion, der dem Glauben immer im Weg steht. Daher heißt es so recht "woran glaube ich?" im Titel. Was sind Erfahrungen, die meinem Glauben Kraft geben? Der Glaube Jesu steht beispielhaft dafür. Jesus überwindet Grenzen, weil er niemanden den Glauben vorschreibt, sondern Erfahrungen ermöglicht.

Glaube ist die Erfahrung von Glaube
Für einen solchen Ansatz stehen für mich Worte von Dietrich Bonhoeffer aus dem Buch "Widerstand und Ergebung": "Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen." Hier sind es zwei Aussagen, die aufeinander zu beziehen sind: erstens Gott kann Gutes entstehen lassen und zweitens dafür braucht er Menschen. Bonhoeffer sagt nicht, Gott könnte Gutes bewirken, sondern Gott eröffnet Räume, in denen Gutes entstehen kann. Um diese Räume zu bekommen, braucht er Menschen, durch die solches Gutes dann auch geschieht. Wir sollten jetzt einfach an diejenigen Erfahrungen denken, von denen wir meinen, dass sie gut sind. Sie ist einladend und nicht ausgrenzen.

Jesus verkörpert das Du Gottes
Dass Du, dass wir Gott nennen und das von Jesus verkörpert wird, lädt zu Menschlichkeit und Güte ein, die gleichzeitig unsere Grenzen akzeptiert. Einzig die Bereitschaft, anderen zu vergeben, ist dazu nötig, sich alle Dinge zum Besten dienen zu lassen: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."

Christoph Fleischer  

www.der-schwache-glaube.de

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